Sieht klein aus

„Was ist das?“
„Die Liebe auf Papier.“
„Sieht klein aus.“
„Da geht’s tief rein.“
„Wie in einen Sumpf.“
„Wie in echt.“
„Wie hast du sie da reingebracht?“
„Wenn ich das wüsste.“
„Ich glaube, sie hat dich benutzt.“
„Kann sein.“
„Du solltest sie einfach stehen lassen.“
„Jetzt ist es so, als hätten wir uns nie gekannt.“
„Da geht’s wirklich tief rein.“
„Ich kenn‘ mich da nicht mehr aus.“
„Wie in einen Sumpf.“
„Und ich dachte, das bleibt.“
„Wie in echt.“

Auf den Punkt

„Ich kann deine Schrift nicht entziffern.“
„Ja, Sorry. Ich hab‘ ne Klaue.“
„Was heißt das denn hier?“
„Also…“
„Ja?“
„Ich glaube, das erste Wort ist ‚Lösung‘. Dann kommt ein Doppelpunkt.“
„Den Doppelpunkt hätte ich auch erkannt.“
„Ich glaube, ich wollte da was ganz Grundsätzliches auf den Punkt bringen.“
„Ja, das Gekrakel geht noch ziemlich lang so weiter.“
„Ich wollte mich da ein für allemal positionieren.“
„Was ist das für ein Wort? Tickung?“
„Ich vermute: Tiefgang.“
„Und der ganze Satz?“
„Ich glaube, ich war da so euphorisiert von dem Gedanken, dass ich das einfach hingeschmiert habe.“
„Das kommt also dabei raus, wenn du euphorisiert bist.“
„Ich muss manchmal einfach schneller sein, als meine Vergesslichkeit. Die jagt mir jeden Gedanken ab, wenn ich nicht aufpasse.“
„Gut, dass du da aufpasst.“
„Ja. Schon.“
„Was heißt das denn hier?“

Korb

„Du bist mir schon lange aufgefallen.“
„Was ist dir aufgefallen?“
„Ich finde: du bist schön, wenn du grübelst.“
„Wenn ich grüble, geht’s mir beschissen.“
„Du bist auch schön, wenn du nicht grübelst.“
„Wenn ich nicht grüble, langweile ich mich.“
„Klingt kompliziert.“
„Ist dir nicht aufgefallen, dass ich kompliziert bin?“
„Vielleicht hab‘ ich zu wenig gegrübelt.“
„Nimm dir gern noch bisschen Zeit dafür.“

Was jetzt noch kommt

„Kannst du so bleiben?“
„So?“
„Genau so.“

„Wie lange soll ich so bleiben?“
„Weiß nicht. Ich will was beschützen.“
„Was denn?“
„Meine Erinnerung. Es fühlt sich an, als wäre sie komplett.“
„Bequem fühlt sich das nicht an.“
„Jetzt stimmt einfach alles.“
„Also lang‘ halt ich’s so nicht aus.“
„Ich glaube, alles was jetzt noch kommt, überzeichnet uns.“
„Ich hätte jetzt Lust, zum See zu fahren.“
„Dann wird das hier einfach überkritzelt. Von uns selbst. Absurd, oder?“
„Wir könnten mit dem Rad fahren.“
„Das fühlt sich an, als wäre meine Erinnerung eine Bibliothek. Und ich muss uns gleich wieder zurückgeben.“
„Ich glaube, das bleibt heute so sonnig.“
„Einfach aus den Händen geben. Das kann doch nicht sein.“
„Das wird echt schnell ungemütlich so.“
„Und ich will uns nicht aus den Händen geben, weil dann jemand anderes das alles nehmen kann, oder weil wir irgendwo verstauben.“
„Ich pack‘ lieber schonmal paar Sachen.“
„Das ist schwer, das Gefühl und die Hülle zu trennen, verstehst du? Ich brauch‘ beides.“
„Obst, Bier oder beides?“
„Als ob ich das alles nur fühlen könnte, wenn ich die Leihfrist einhalte.“
„Ich nehm‘ mal beides mit.“
„Ist das jetzt der Versuch, zu stehlen?“
„Ich schlepp‘ die Flaschen, du die Bücher, ok?“
„Ich vermisse den gestrigen Abend so.“
„Jetzt freu‘ ich mich echt auf draußen.“

Viel

„Wenn ich mich wehre, verlieren wir beide. Und wenn ich mich nicht wehre, verlieren wir auch.“
„Wie viel verlierst du, wenn du dich wehrst?“
„Kann ich noch nicht sagen.“
„Und wie viel verlierst du, wenn du dich nicht wehrst?“
„Alles.“
„Dann wehr dich.“

Das ist was Gutes

„Ich will dich wirklich ins Vertrauen ziehen.“
„Ins Vertrauen ziehen? Das klingt, als wäre dein Vertrauen ein Abgrund. Als wäre es ein Ort, an dem niemand freiwillig sein will.“
„Das war‘ nicht bös‘ gemeint. Das sagt man doch so.“
„Hast du auch eigene Worte dafür?“
„Klar, die schwimmen da mit. Die sind da als Ton mit drin.“
„Was meinst du mit „da“?“
„Vertrauen.“
„Ich hör‘ nur ne Worthülse.“
„Die ist voll die Hülse. Prallvoll.“
„Das klingt, als wäre es eine Waffe, die du auf mich richten willst.“
„Nein, Nein. Das ist was Gutes.“
„Das hört sich aber nicht so an.“

„Bist du jetzt beleidigt?“
„Nein, Nein.“

„Aber sagen willst du auch nichts mehr, hm?“
„Ich weiß nicht.“
„Das bist du.“
„Was?“
„Wenn du: ‚Ich weiß nicht‘ sagst, glaub‘ ich dir sofort.“
„Aber das ist doch was komplett anderes.“
„Aber dabei bist du dir sicher.“
„Ja, ich glaube, da ist das ganze Vertrauen.“
„Im: ‚Ich weiß nicht‘?“
„Ja.“
„Da hast du’s also hingezerrt.“
„Das klingt so brutal.“
„Genauso wolltest du das mit mir auch machen.“
„Nein, Nein. So doch nicht.“
„Also doch nicht ins Vertrauen ziehen?“
„Nein.“
„Danke.“

„Ich zeig’s dir einfach, ok?“
„Ok.“

Ich mein‘ das vollkommen seriös

„Wer sagt das!?“
„Hab‘ ich mir gedacht.“
„Du kannst da doch nicht reinschreiben, was du denkst!“
„Aber das ist mein Artikel. Da muss ich doch reinschreiben, was ich denke.“
„Du musst seriös bleiben. Was du da behauptest, ist einfach falsch.“
„Was ist daran falsch?“
„Was daran falsch ist? Du schreibst: ‚Selbstbewusstsein ist das Resultat aus Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl.'“
„Genau.“
„Das stimmt nicht!“
„Ich finde: Wenn man sich vertraut, steigt der Selbstwert und damit das Selbstbewusstsein.“
„Es interessiert aber niemand, was du findest! Wir liefern entweder gut recherchierte Fakten oder gar nichts.“
„Ich liefere Fakten!“
„Fakten?! Du schreibst, dass man Leute in der U-Bahn anquatschen soll, wenn man selbstbewusster werden will.“
„Na und?“
„Wo hast du das gelesen!? Welche Quelle ist das!?“
„Das ist meine Erfahrung.“
„Das ist hier aber kein Tagebuch. Das ist ein seriöses Portal!“
„Ich mein‘ das vollkommen seriös.“
„Ja, das befürchte ich auch.“

„Wahrscheinlich ist das alles ein strukturelles Problem.“
„Wie bitte?“
„Wir können diesen Text so gar nicht diskutieren.“
„Wir diskutieren den auch nicht. Du hast heute noch Zeit, ihn zu korrigieren. Wenn das nichts wird, schreibst du hier nie wieder was.“
„Am besten, ich gehe zum ersten Gedanken zurück.“
„Du hast zwei Stunden.“
„Was. Ist. Bewusstsein.“
„?“
„Darum dreht sich alles.“
„Du hättest das alles längst beantworten sollen.“
„Meine Fragen sind beantwortet.“
„Stattdessen steht da jetzt gefährliches Halbwissen.“
„Das ist harmlos.“
„Es ist unzumutbar!“
„Du unterschätzt die Leser. Die verstehen das schon.“
„Und du überschätzt dich. Wer glaubst du, wer du bist?“
„Ich könnte mich jetzt angegriffen fühlen.“
„Ich fühl‘ mich auch angegriffen von deinem Text.“
„In dem Text steht: Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein können Kritik einordnen und fühlen sich nicht sofort persönlich angegriffen.“
„Darum geht’s jetzt nicht mehr.“
„Deshalb fühl‘ ich mich nicht angegriffen. Das ist doch der Beweis, dass an dem Artikel was dran ist.“
„Wir lassen das jetzt lieber.“
„Das prallt an mir ab. Total.“
„Ich schaue, ob ich noch was im Archiv finde, womit ich die Lücke füllen kann.“
„Als ob das alles falsch wäre.“
„Und ich schick‘ dir einen Termin für ein persönliches Gespräch.“
„Wahrscheinlich ist das alles ein strukturelles Problem.“

Immerhin

„Kopf oder Zahl?“
„Kopf.“
„Wirklich?“
„Ok. Zahl.“

„Und?“
„Kopf.“

„Nochmal.“

„Kopf.“

„Das zählt nicht.“
„Willst du’s mit Zahl probieren?“

„Nein. Ich glaube, Kopf oder Zahl ist unzuverlässig.“
„Ach was.“

„Wir könnten Würfeln.“
„Was ist daran denn besser?“
„Das ist subtiler. Es gibt viel mehr Abstufungen. Und wenn wir mehr Würfel nehmen, haben wir sogar ne Metaebene.“
„Meinst du, das macht die Entscheidung leichter?“
„Ok. Nein.“

„Welche Methode ist denn zuverlässig?“
„Ja oder Nein sagen.“
„Ja, aber wie komme ich dazu?“
„Hast du schonmal eine Reihenfolge gemacht?“
„Nein.“
„Dann probier’s“

„Sag‘ erstmal Deine.“

„Meine ist: Ja oder Nein spüren, dann: Denken, dann: Würfeln, dann: Kopf oder Zahl.“
„Was ist mit Beten?“
„Beten? Das ist, als hätte man zufällig eine Zwei gewürfelt und würde ein Augenduell anfangen.“
„Ich glaube, Beten kann schon helfen.“
„Kann sein. Aber mir nicht.“
„Glaubst du, man sollte alles mit Ja oder Nein beantworten können?“
„Irgendwann schon.“

„Bei mir wäre Nummer eins: Ja oder Nein denken, dann: Ja oder Nein spüren.“
„Noch vor Kopf oder Zahl?“
„Ja.“
„Vor Würfeln?“
„Ja.“
„Immerhin.“
„Wieso willst du es erst spüren und dann denken?“
„Weil ich mir wünsche, dass es so klar ist.“
„Kommt das oft vor?“
„Nein.“
„Dein ‚Nein‘ kam immerhin plötzlich.“
„Ja, das erkenn‘ ich schnell.“
„Ich glaube, die Münzen sind sowieso in der Überzahl.“
„Ja, als könnte man ihnen jede Entscheidung anvertrauen. Überall.“
„Was soll ich mit der hier machen?“
„Wirf‘ sie nochmal hoch. Nur zum Spaß.“
„Kopf oder Zahl?“
„Kopf.“

„Und?“