Drei Möglichkeiten

„‚I will always feel afraid.‘ Das trifft mich jedes Mal.“
„Du verstehst: ‚I will always feel afraid?““
„Klar, was sonst?“
„I will always feel free.'“
„Moment. Ich mach‘ nochmal zurück.“

„Free. Eindeutig“
„Afraid.“
„Free!“
„Afraid!“
„Ok. Ich google den Text.“

„Da steht: ‚I will always feel for you.““

„Lass‘ uns nochmal nachhören.“

„Free. Eindeutig.“
„Afraid.“
„Free!“
„Afraid!“

„Vielleicht ist es ja etwas ganz anderes.“
„Nein, ich glaube, es gibt nur diese drei Möglichkeiten.“
„Das macht mir Angst.“
„Aha. Deshalb hörst du: ‚I will always feel afraid.'“
„Wenn ich ‚I will always feel for you‘ höre, bin ich dann geheilt?“
„Nur wenn wir es beide hören.“

„Ich mach‘ Repeat, ok?“
„Ok.“

Dann

„Kann ich dir alles geben, was du von mir willst?“
„Wäre schön.“
„Also weißt du es nicht.“
„Ich weiß, dass mir grade nichts fehlt. Und du bist da.“
„Soll ich bleiben bis dir was fehlt, und wir suchen dann zusammen danach?“
„Ok.“

Mittwoch (11:7, 11:9, 12:10)

„Wow, hast du den paniert.“
„Der letzte Satz war echt knapp.“
„Trotzdem noch eindeutig.“
„Kam mir nicht so vor.“
„Hast du heimlich geübt?“
„Nein. Ich glaube, das war einfach Glück.“

„Du könntest dich echt mehr über deinen Sieg freuen.“
„Ich muss ihn erst einordnen.“
„Was gibt’s da einzuordnen? 3:0. Das ist eindeutig.“
„Ich glaube, der war verkatert.“
„Glaub‘ ich nicht.“
„Dann hat den die Sonne geblendet.“
„Da war keine.“
„Dann war da Wind auf seiner Seite.“
„Hab‘ ich nix davon gespürt.“
„Dann war er nur halb motiviert.“
„Kann dir doch egal sein.“
„Aber dann zählt das nicht wirklich. Gegen einen halb motivierten Gegner zu gewinnen, zählt auch nur halb.“
„Der war nicht halb motiviert.“
„Er hat gemerkt dass er besser ist, dann hat er abgeschaltet und dann war er an das niedrige Niveau einfach nicht so gut gewöhnt wie ich.“
„Perfekte Taktik.“
„Das war keine Taktik. Wahrscheinlich hat der Ball ein Eigenleben. Ich hab‘ einfach den Schläger hingehalten.“
„Mein Gott, jetzt nimm das doch einfach als Erfolg an!“
„Würd‘ ich. Wenn’s ein Erfolg wäre, würd‘ ich ihn annehmen. Aber der fühlt sich noch nicht echt an. Ich muss ihn erst noch ergründen.“
„Du ergründest ihn nicht. Du trampelst ihn platt!“
„Ok. Ich freu mich ja schon.“
„Ich weiß nicht, ob ich dir das jetzt glaube.“
„Ich merk‘ mir die Taktik. Wenn ich die ein- zweimal wiederholen kann, dann freu‘ ich mich. Ganz sicher.“
„Wann spielst du wieder?“
„Morgen.“
„Ok. Viel Glück.“

Donnerstag (3:11, 6:11, 4:11)

„Wow, der hat dich echt paniert.“
„Ja.“
„Beim zweiten Satz dachte ich, du kommst nochmal.“
„Keine Chance.“
„Da hast du drei Punkte hintereinander gemacht.“
„Ja, aber ich brauch elf.“
„Da hätte das alles nochmal kippen können.“
„Ach. Das ist Sport. Lauter Zufälle.“
„Danach sah’s nicht mehr nach Zufall aus.“
„Ich weiß.“
„Ich hab‘ schon vorher gesehen, dass du die Bälle ins Netz haust.“
„Ja, ich auch.“

„Hast du dran geglaubt, dass du gewinnen kannst?“
„Nein. Ich glaub‘ sowas erst, wenn’s soweit ist.“
„Gestern war’s soweit.“
„Ja, das ist kompliziert.“
„Meinst du Verlieren oder Gewinnen?“
„Beides.“
„Vielleicht gibt’s ja was dazwischen.“
„Ich glaube, das ist auch kompliziert.“

„Das ist ja alles nur ein banales Spiel.“
„Ja, aber wenn man da gewinnt, hätte man schon mal nen Fuß in der Tür. Gewinnen funktioniert doch immer ähnlich.“
„Musst du woanders auch Schmettern und Schneiden, wenn du gewinnen willst?“
„Jetzt fühlt es sich so an, als müsste ich es.“

„Glaubst du, es ist eine Leistung, sich über einen Sieg freuen zu können?“
„Ja. Ich glaube, das ist genauso wichtig, wie das Spiel.“
„Ich verstehe dieses Leistungsprinzip nicht.“
„Das Prinzip ist: es geht immer wieder neu los. Das Ergebnis nützt dir jetzt schon nichts mehr.“
„Dann ist es doch eh sinnlos, sich zu freuen.“
„Nein. Eins bleibt vom Ergebnis: wie du dich dabei gefühlt hast.“
„Als könnte ich das alles selbst beeinflussen.“
„Kannst du.“

Eins davon

„Ich fühle Schrott“
„Oh.“
„In mir. Das sind Einzelteile.“
„Das klingt ja dramatisch.“
„Ach ist es nicht. Das ist jeden Tag so.“
„Aha.“
„Und ich frag‘ mich immer wieder, wie ich das alles zusammensetzen soll.“
„Hast du keine Muster?“
„Tausende.“
„Nimm eins davon.“
„Dann wiederholt sich alles.“
„Kein Wunder. Bei der Menge.“

„Was machst du mit tausend Mustern?“
„Hm.“
„Befreist du dich von ihnen?
„Nein.“
„Vielleicht ist das der Schrott.“
„Vielleicht.“

So schnell siehst du das

„Hey.“
„Hm?“
„Ich glaube, es hat aufgehört zu regnen.“
„Und?“
„Du hast deinen Schirm noch aufgespannt.“
„Oh.“
„Ich hätte dich fast angerempelt, so eng ist das hier.“
„Schon gut. Hab‘ nichts davon gemerkt.“
„Willst du den Schirm nicht mal zusammenklappen?“
„Ach, ich mag das grade. So trocknet er besser.“
„Der wär‘ fast in meinem Auge gelandet.“
„Sorry.“
„Schon ok.“
„Zeig‘ mal deine Augen.“

„Alles gut. Die sehen gesund aus.“
„So schnell siehst du das?“
„Zeig‘ nochmal.“

„Ja. Alles gut.“
„Dafür dass du nicht merkst ob es regnet, bist du dir erstaunlich sicher.“
„Bist du so’n Typ, der Regentropfen zählt?“
„Ich bin einfach vorsichtig, wenn jemand vor meinen Augen rumfuchtelt.“
„Sorry, ich hab‘ grade alles um mich rum vergessen.“
„Das ist schön für dich.“
„Ja, das klappt echt selten.“
„Ich will dich auch gar nicht weiter aufhalten.“
„Ich hab‘ dich doch aufgehalten.“
„Ach, schon ok.“
„Hast du’s eilig?“

„Nein, ich glaub‘ ich hatte auch grade alles um mich herum vergessen.“
„Der Weg hier ist echt zu eng für sowas.“
„Total.“

„Das sieht aus, als würd’s gleich wieder regnen.“
„Ja, ich hab‘ auch grade nen Tropfen gespürt.“
„Gut, dass du den Schirm hast.“
„Willst du mit drunter?“
„Ich glaube, ich muss mich beeilen, wenn ich nicht nass werden will.“
„Ok. Viel Glück.“
„Dir auch.“

Klingt nach einem Unentschieden

„Du bist anders wenn Musik an ist.“
„Wie denn?“
„Liedern hörst du immer ganz anders zu als mir.“
„Die sind auch anders als du.“
„Da ist so viel Distanz in dir. Als hättest du ein Ohr für Musik und eins für mich. Und dazwischen sind Kilometer. Als müsstest du dich abhetzen, um mir zuhören zu können. Als hättest du alles dafür stehen und liegen gelassen.“
„Ich lasse alles stehen und liegen, wenn du mir was sagen willst.“
„Vielleicht kommst du deshalb oft so leer an.“

„Ich bin nicht leer. Ich hab‘ die Bilder von unterwegs dabei. Mehr kann ich nicht schleppen, bei der Entfernung.“
„Wieso ist immer so viel Entfernung zwischen dir und dem was du sagst?“
„Das ist keine Entfernung. Das ist der Raum den ich brauche, um zuhören zu können.“
„Wie viel da verloren geht.“
„Ich beeile mich, damit nie etwas verloren geht.“
„Ich will nicht, dass du dich beeilen musst.“
„Für mich fühlt sich das nicht nach Beeilen an.“
„Für mich schon.“

„Sag mal ehrlich: wem hörst du lieber zu: mir oder Bob Dylan?“
„Fiese Frage. Super fiese Frage.“
„Ich weiß.“
„Sowas wie Mr Tambourine Man hab‘ ich noch nie von dir gehört. Aber unsere Gespräche würd‘ ich gern auf Repeat stellen: sogar noch öfter als Mr Tambourine Man.“
„Klingt nach einem Unentschieden.“
„Ja, es ist ein permanentes Unentschieden. In allem.“
„Ich glaube, das sind die Kilometer.“
„Kann sein.“

„Manchmal sind sie unerträglich leise.“
„Das glaub‘ ich dir.“
„Dann brauch‘ ich Musik.“
„Eigentlich finde ich es ja auch schön, wenn wir was hören.“
„Schön.“
„Manche Songs stellen dich einfach vor mir ab. Als sollte ich auf dich aufpassen, solange sie laufen. Dann würd‘ ich dir am liebsten sagen: bleib einfach so, aber wenn ich das sagen würde, wärst du weg. Und du würdest es nicht mal merken, glaube ich.“
„Ich würde es merken. Und ich würde so bleiben.“
„Was ist, wenn ich es jetzt sage?“
„Jetzt auch.“
„Willst du Musik anmachen? Dann fällt es mir leichter.“
„Klar.“

Das Schöne

„Krass. Bist das du?“
„Ja.“
„Hast dich ganz schön verändert.“
„Wirklich?“
„Auf dem Bild siehst du lebendiger aus.“
„Das ist doch nur ein Bild.“
„Ich nehm‘ dich total anders wahr.“
„Ach. Das ist nur ein Bild.“
„Da siehst du nett aus. Als hättest du grade einen guten Witz gemacht.“
„Ich weiß gar nicht mehr genau, worüber ich da lache.“
„In echt siehst du oft aus, als hätte jemand einen Witz über dich gemacht.“
„Einen Guten?“
„Ja. Und dann bist du so, als würdest du nach einem Konter grübeln, obwohl die Situation längst vorbei ist.“
„Ich kann über mich selbst lachen.“
„Lach mal.“

„Das ist aber nicht das Fotolachen.“
„Ich bin ja auch nicht das Foto.“

„Da siehst du auch aus, als hättest du eine gute Stimme.“
„Aha.“
„Als könntest du etwas ganz Bestimmtes gut erklären.“
„Das täuscht.“
„Ich glaub“ das jetzt trotzdem.“
„Aber ich erklär‘ doch gar nichts.“
„Ja, jetzt bist du ein Heimlichtuer.“
„Weil ich nichts erklären kann?“
„Weil du was weißt, was du mir nicht zeigst. Und da ist das Beweisfoto.“
„Das ist doch nur ein Bild.“

„Sorry, ich muss dich jetzt kurz anschauen.“
„Ok?“

„Gefaked ist es nicht.“
„Nein.“

„Deine Hände hab‘ ich mir auch ganz anders vorgestellt.“
„Die sieht man da doch gar nicht.“
„Eben. Du hast sie meiner Phantasie überlassen.“
„Wie hast du sie dir vorgestellt?“
„Fein. Aber das sind sie nicht. Sie sehen leer aus.“
„Sie haben ja auch grade keine Funktion.“
„Haben sie die sonst?“
„Schon irgendwie.“
„Was können deine Hände denn?“
„Schwitzen.“
„Gut. Dann sind sie ja doch aktiv.“
„Sie machen das von ganz alleine.“
„Vielleicht solltest du sie mal loslassen.“
„Das mache ich. Deshalb sind sie ja auch nicht auf dem Bild.“
„Ich glaube, du hältst deine Hände immer zurück. Nicht nur auf dem Bild.“
„Kann sein.“
„Vor mir hältst du sie immer zurück.“

„Gibt’s nen Grund dafür?“
„Ich will meine Hände einfach nicht über dir ausleeren.“
„Das klingt, als wären deine Hände voller Müll.“
„Ja, so kommen sie mir manchmal vor.“
„Darf ich sie sehen?“

„Klar.“

„Ich seh‘ keinen Müll in deinen Händen.“
„Ich schon. Ich seh‘ die Bilder, die nichts geworden sind. Als würden die alle jetzt zerknüllt da drin liegen.“

„Wenn du magst, darfst du deine Hände trotzdem über mir ausleeren.“
„Danke. Ich glaube, ein Bild fehlt aber noch.“
„Das Schöne?“
„Ja.“

„Ok. Leg’s dazu.“

Basics

„Was ist dir denn am Wichtigsten?“
„Das ist alles gleich wichtig.“
„Ist es so wichtig, den ‚Raben‘ auswendig zu können?“
„Natürlich. ‚Der Rabe‘ ist eh schon ein Kompromiss. Ich hab‘ immer noch nicht verarbeitet, dass ich nie den ganzen Poe schaffen werde.“
„Wann nimmst du dir denn die Zeit zum Lernen?“
„Meistens während der Arbeit.“
„Ich dachte, da hast du ein neues Projekt übernommen.“
„Ja, hab‘ ich. Aber der ‚Rabe‘ erdet mich. Ich will mich nicht von der Hektik des Jobs anstecken lassen.“
„Dann hör‘ auf, dauernd Zusatzprojekte zu übernehmen.“
„Dann stagniere ich aber.“
„Vorhin hast du noch gesagt, dass du Karrierepläne verachtest.“
„Das ist ein Unterschied: die Zusatzprojekte mache ich aus fachlichem Interesse. Ich würde nie einen persönlichen Nutzen daraus ziehen.“
„Kein Wunder, dass dir da die Energie ausgeht.“
„Ach. Im Privatleben hol‘ ich sie mir zurück.“
„Mit deinen Kontakten?“
„Zum Beispiel.“
„Ich frage mich, wie du die alle pflegen willst.“
„Ja, das erfordert Feingefühl.“
„Wie oft kommt es vor, dass du mehr Leute treffen willst, als die Woche Tage hat?“
„Ok: oft.“
„Wahrscheinlich hast du nach unserem Treffen auch schon wieder was ausgemacht.“
„Nichts ausgemacht. Eher was geplant.“
„Was denn?“
„Ich lerne jetzt Spanisch.“
„Aha.“
„Ich will endlich Neruda im Original lesen. Ich glaube, er weiß, wie man die richtigen Zeichen setzt. Gerade jetzt. Außerdem spreche ich keine einzige romanische Sprache. Ich komme mir total ignorant dabei vor.“
„Legst du das Wörterbuch dann zu den anderen Büchern, die du gleichzeitig liest?“
„Nein. Spanisch klaut mir keine Lesezeit. Ich lern‘ das beim Marathontraining. Da hab‘ ich den Kopf frei. Da bin ich aufnahmefähig.“
„Ich dachte, beim Marathontraining arbeitest du an deinen Schreibideen.“
„Das geht beides. Ich hab‘ da ja mehr als drei Stunden Zeit. Ich könnte sogar noch zusätzlich was reinpacken, vielleicht Teile des ‚Raben‘.“
„Was machen deine Schreibideen so?“
„Die wachsen.“
„Inhaltlich oder zahlenmäßig?“
„Ok: zahlenmäßig.“
„Ich frag‘ mich, wann du überhaupt zum Schreiben kommst.“
„Oft. In der Bahn. Im Ehrenamt. Beim Essen.“
„Ok, dann isst du immerhin nicht mehr im Gehen.“
„Nur Junk Food. Alles andere esse ich im Sitzen. Also meistens.“
„Was ist mit Schlaf?“
„Der ist top. Den verteidige ich gegen alles.“
„Das klingt, als wäre dein Schlaf ein stundenlanger Kampf.“
„Genau. Es ist ein guter Kampf, bei dem ich am Ende triumphiere.“
„Du brennst aus, wenn du so weiter machst.“
„Quatsch. Ich schaffe doch nur einen Bruchteil von dem, was ich mir vornehme!“
„Du kannst einfach nicht alles haben.“
„Alles? Das sind doch nur Basics!“
„Das ist nichts! Wenn du das so machst, ist das alles einfach nur leer.“
„Leer war ich vorher. Jetzt sauge ich alles auf. Alles was man heute so braucht, um sich orientieren zu können. Außerdem fehlt eh noch die Hälfte.“
„Was fehlt denn noch?“
„Ich sollte endlich gegen die Lebensmittelindustrie angärtnern. Ich sollte mich von der Kleidungsindustrie frei schneidern. Ich sollte Krisen erklären können. Das kann doch alles nicht so weiter gehen!“
„Nein, kann es nicht. Aber wenn du so weiter machst, bist du ein leichtes Opfer. Dann zeigst du: alles was du machst, ist halbherzig.“
„Da steckt viel mehr als nur halbherzige Kraft drin!“
„Ja, und die lässt du ungenutzt.“
„Ich verteile sie klug!“
„Du hackst sie klein!“
„Das gehört so. Dann kann ich sie überall mitnehmen.“
„Deine Kraft bringt doch nur was, wenn sie da ist!“
„Ist sie doch. Sie ist überall, wo ich bin.“
„Und hast du das Gefühl, da zu sein?“
„Jetzt schon.“
„Gut.“
„Aber ich muss jetzt dann mal wieder.“

350

„Ach so meinst du das.“
„Genau.“
„Dann kommt das aber nicht rüber.“
„Ja, ist vielleicht ein bisschen subtil.“
„Das ist einfach zu wenig. So wie du ihn zeichnest, ist das ein Trottel.“
„Das ist kein Trottel. Das ist einer, der sich bei allem so sehr anstellt, dass der Leser weiß: aha, der scheitert überall kläglich. Der muss irgendeine verborgene Genialität haben.“
„Ich merk‘ da nichts von verborgener Genialität.“
„Die wird ja auch subtil aufgebaut.“
„Über wie viele Seiten?“
„So 100.“
„Ich kann mich aber nicht für eine Andeutung durch 100 Seiten quälen!“
„Es wird ja viel mehr angedeutet.“
„Wieso wird das alles nur angedeutet?“
„Weil ich dann viel sagen kann, ohne viel schreiben zu müssen.“
„Wieso schreibst du denn dann, wenn du gar nicht schreiben willst?“
„Ich will doch, aber eben nicht so viel.“
„Ja, genau das merke ich beim Lesen. Manchmal frag‘ ich mich, wieso du dir das antust.“
„Vielleicht ist das der Konflikt der Figur, der auf dich übergesprungen ist.“
„Hast du dir deine Figur mal außerhalb deiner Geschichte vorgestellt?“
„Klar.“
„Und denkst du, sie ist genial?“
„Eher nicht.“
„Eben. Ich auch nicht. Ich würde es gerne, aber du gibst mir keinerlei Möglichkeit dafür.“
„Ich will dir die Genialität der Figur auch nicht aufzwingen.“
„Aha.“
„Ich will dir einfach nur eine Ahnung davon geben, dass sie unter gewissen Umständen das Potenzial hätte, anders zu reagieren, als sie es tut.“
„Das klingt, als wolltest du einen Roman darüber schreiben, was deine Figur nicht macht.“
„Um ehrlich zu sein: ich hab‘ ihn schon geschrieben.“
„Ganz?“
„Ich war inspiriert. Das kam einfach so raus.“
„So kann ich das auf jeden Fall nicht rausbringen.“
„Ich kann noch ein bisschen am Schluss feilen, falls das was hilft.“
„Wenn du willst, dass ich das bis zum Schluss lese, musst du auch den Anfang ändern. Und den Mittelteil.“
„Das sind 350 Seiten!“
„Wieso schreibst du auch 350 Seiten ohne Plan?“
„Ich dachte, ein Plan würde mich bremsen.“
„Nimm dir einfach die Zeit, die du brauchst und schick mir die Geschichte, wenn sie gut ist.“
„Sie ist gut. Wenn ich sie mir vorstelle, ist sie gut.“
„Wenn du sie liest, ist sie dann so, wie du sie dir vorgestellt hast?“
„Nein.“
„Eben.“